Eine der wichtigsten und gleichzeitig wohl am breitesten gefächerten Fachrichtungen in der Medizin ist die Innere Medizin. Keine andere Fachrichtung beschäftigt sich mit so vielen verschiedenen Organsystemen zugleich. Außerdem gibt es nur sehr wenige Patienten in der Klinik, die kein internistisches Problem haben – ganz abgesehen von ihrer eigentlichen Grunderkrankung. Auf Grund dieser Vielfältigkeit fällt es schwer, den einen Stereotypen des Internisten zu zeichnen. Vielmehr begegnen einem verschiedenste Charaktere in den einzelnen Subspezialisierungen. Eine Gemeinsamkeit ist aber, dass Internisten meist sehr viel Wissen besitzen und viel analytisch denken und Befunde interpretieren müssen, während invasive Eingriffe nicht unbedingt zum alltäglichen Geschäft gehören. Wer aber meint „Internisten wissen zwar viel –  können aber nichts“, liegt ganz klar falsch. Denn auch in der Inneren gibt es kleinere und größere invasive Maßnahmen wie Biopsien oder endoskopische Untersuchungen, welche durchgeführt werden müssen, um letztendlich zur richtigen Diagnose zu gelangen.

Gerade wegen der Vielschichtigkeit dieses Faches möchten wir versuchen, euch mit verschiedenen Interviews einen Einblick in die unterschiedlichen Richtungen in der Inneren Medizin zu geben.

Den Anfang macht heute Dr. Hannah Scheuing: Sie befindet sich im vierten Jahr ihrer Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin und lebt und arbeitet in einer Kreisklinik in der Nähe von München.

Wann haben Sie sich für Ihre Fachrichtung entschieden – wussten Sie schon im Studium wo der Weg hin geht?

Im Studium habe ich noch etwas orientierungslos Praktika in diversen Bereichen absolviert. Am Ende des Studiums hatte ich mich dann für Allgemeinmedizin entschieden; nach zwei Jahren Innere Medizin habe ich mich dann aber doch dazu entschlossen, den allgemeinen Internisten anzustreben.

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Um 8 Uhr ist bei uns die tägliche Frühbesprechung, in der der Dienstarzt von den Aufnahmen im Nachtdienst berichtet. Im Anschluss werden die aktuellen Röntgen-Bilder demonstriert und befundet. Danach beginnt der Alltag auf Station mit den Blutentnahmen. Daran schließt sich die Visite an, die sich je nach Anliegen der Patienten und Komplexität der Fälle über mehrere Stunden ziehen kann. Im Idealfall begleitet man dann die Patienten zu ihren Untersuchungen und führt sie – je nach Erfahrung – selbst durch. Nach dem meist gemeinsamen Mittagessen mit den KollegInnen kann man entweder weiter in der Sonographie tätig werden oder diversen Papierkram auf Station erledigen. Um 15.30 Uhr ist die zweite Besprechung, in der die Übergabe an den Dienstarzt erfolgt und die Neuaufnahmen des Tages vorgestellt werden. Dabei werden auch die aktuellen Röntgen-Bilder wieder demonstriert. Meist diktiert man danach die Entlassbriefe für den nächsten Tag. Um 16.30 Uhr ist Dienstschluss, gelegentlich sind jedoch auch Überstunden nötig.

Was macht das Fach im Vergleich zu anderen besonders?

Man muss bei schwierigen Fällen mehr tüfteln als in anderen Fächern, aus diversen Differentialdiagnosen muss man durch Überlegen und gezielte Diagnostik die richtige Diagnose herausfinden. Dafür ist auch oft Teamwork und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig.

Bietet Ihr Job beziehungsweise Ihre Fachrichtung Ihnen Freiraum für die eigene Gestaltung – wie nutzen Sie diesen?

Jeder kann selbst entscheiden, wie stark und auf welchem Gebiet er sich mehr einbringen möchte. Ob invasive oder konservative Untersuchungsmethoden, die Innere Medizin bietet ein breites Spektrum an Tätigkeiten.

Gibt es einen Patienten an den Sie Sich explizit erinnern können? Was war Ihr spannendster Fall oder was sind die spannendsten Fälle überhaupt?

Mein dramatischster Fall war ein junger Patient in meinem Alter, der von einer Notärztin in unsere Ambulanz mit einer Gastroenteritis eingeliefert worden war. Noch in der Ambulanz wurde er reanimationspflichtig und konnte leider nicht gerettet werden. Im Nachhinein wurden Meningokokken in einer Blutkultur nachgewiesen. Die Wut und Verzweiflung seiner Verlobten werde ich nie vergessen…

Neben all den positiven Seiten Ihres Jobs – gibt es auch negative explizit für Ihre Fachrichtung die über die alltäglichen Dinge wie z.B. Papierkrieg hinausgehen?

Wenn nachts um halb vier sich wieder ein Patient mit seit zwei Wochen anhaltendem, trockenem Husten ohne Fieber in der Notaufnahme vorstellt und man dafür aufstehen muss, bereitet das wenig Vergnügen. Immer mehr Patienten nutzen die Notaufnahme wie eine 24-stündige Sprechstunde und werden schnell wütend, wenn man sie mit ihrem „Notfall“ an den Hausarzt oder einen entsprechenden Spezialisten verweist.

Wenn Sie ihr Fachgebiet mit einer Sportart vergleichen würden – welche wäre das und warum?

Vielleicht Tennis? Mit vielen Bällen rechnet man und spielt sie routiniert zurück, aber manche kommen ganz unvorbereitet – die darf man nicht übersehen und muss sie gut parieren.

Wir hoffen, ihr konntet einen kleinen Einblick gewinnen. In den nächsten Wochen werden wir euch noch weitere Ärzte aus den verschiedenen Fachbereichen der Inneren Medizin vorstellen – seid gespannt!

liebe Grüße

eure Franzi

<hr style="width: 100%; height: 1px;" />Diesen Artikel teilen:<br />Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Google+
Google+
Email this to someone
email