„Soll ich lieber in ein großes Krankenhaus in der Stadt oder in ein kleines Krankenhaus auf dem Land gehen?“ Diese Frage haben sich sicher bereits viele von euch gestellt, wenn sie sich Gedanken über ihre erste Assistenzarztstelle machen. Größe und Lage des Hauses haben Einfluss auf verschiedene Aspekte eurer Facharztweiterbildung und daher handelt es sich um eine wichtige Entscheidung, die gut überlegt sein sollte. Wir können und wollen euch hier diese Entscheidung natürlich nicht abnehmen, denn eure persönlichen Erwartungen und Vorstellungen spielen dabei eine große Rolle, aber wir wollen euch zumindest die Vor- und Nachteile aufzeigen, die große beziehungsweise kleine Krankenhäuser mit sich bringen.

Natürlich kann man nicht sagen, dass große Kliniken immer im Stadtzentrum liegen während die kleinen ausserhalb liegen – trotzdem ist es so, dass Maximalversorger eher in Ballungsräumen liegen und kleinere Häuser die Grundversorgung in ländlicheren Gegenden abdecken. Deshalb möchten wir uns eben diesen „Prototypen“ von Kliniken widmen, um grundlegende Tendenzen aufzeigen zu können – über die Lage im Einzelfall solltet ihr euch dann aber noch selbst informieren.

Eine essentielle Frage, die ihr euch direkt zu Beginn stellen solltet, ist: Möchte ich meine komplette Assistenzzeit in einer Klinik verbringen oder möchte ich zwischendurch die Klinik und den Standort wechseln, um noch einmal ein anderes Haus kennen zu lernen? Diese Überlegung ist wichtig, da nicht jeder Chefarzt in vollem Umfang weiterbildungsbefugt ist und so ein Wechsel eventuell zwingend notwendig wird. Unser Tipp: Informiert euch rechtzeitig bei der der jeweiligen Ärztekammer des Landes, ob und auch wie lange der Chefarzt voll weiterbildungsermächtigt ist. So vermeidet ihr Überraschungen. Außerdem gibt es viele kleinere Kliniken, die Kooperationen mit anderen Kliniken haben, sodass ihr zwar eventuell das Haus für eine bestimmte Zeit wechseln müsst, die Organisation davon aber von der Klinik übernommen wird.

Skizze großes und kleines Krankenhaus

Groß oder klein? – Was heißt das überhaupt?

Kommen wir nun zu der Frage, was eigentlich „großes“ oder „kleines“ Haus bedeutet. Zum einen könnte man die Größe an der Anzahl der Betten festmachen; allerdings ist es schwer zu sagen, wo dabei die Grenzen zu ziehen sind. Zum anderen kann die Größe sich aber auch darauf beziehen, wie viele Fachbereiche in der jeweiligen Klinik vertreten sind. Klassisch unterscheidet man daher, ob es sich um einen Grund- und Regelversorger oder um einen Maximalversorger handelt. Oft wird „große Klinik“ mit „Uniklinik“ gleichgesetzt, was sicherlich nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, pauschalisieren sollte man das jedoch nicht. Schließlich gibt es auch Maximalversorger, die keine Uniklinik sind.

Vor- und Nachteile von großen und kleinen Kliniken

Infrastruktur

Gerade wenn es um die Entscheidung zwischen Stadt oder Land geht, spielt natürlich die gebotene Infrastruktur eine große Rolle. In kleinen Kliniken fernab der Ballungsgebiete kann diese nämlich schnell zum Problem werden. Dass wissen auch die Kliniken und daher ist es zum Teil so, dass man dort etwas mehr Unterstützung bekommt, als es in der Stadt der Fall ist. So gibt es ländliche Häuser, die z.B. den Umzug bezahlen oder Weiterbildungsmöglichkeiten finanziell unterstützen. Maximalversorger in der Stadt können dies mitunter auch bieten, kleine Kliniken geben sich aber meist mehr Mühe, um euch von sich zu überzeugen. In großen Kliniken profitiert ihr hingegen häufig von einer sehr guten städtischen Infrastruktur. Dafür ist wiederum in der Regel die Miete in ländlichen Gegenden um einiges günstiger als in Großstädten. Letztendlich spielen hier aber vor allem individuelle Vorlieben eine entscheidende Rolle: Wollt ihr eher ländlich leben oder doch mitten im Gewusel der Großstadt? Und seid ihr bereit zu pendeln oder wollt ihr lieber direkt in Kliniknähe wohnen können und zu Fuß oder per Rad auf Arbeit fahren? Auch hier können wir euch nur raten, euch im Vorfeld mit der vorhandenen Infrastruktur auseinander zu setzen und für euch zu entscheiden, ob sie euren Ansprüchen genügt oder nicht.

Arbeitsalltag und Kollegen

Neben diesen begleitenden Faktoren bieten ländliche Krankenhäuser einen etwas anderen Arbeitsalltag als dies in großen Krankenhäusern der Fall ist. Oft hört oder liest man, dass es dort unter den Kollegen regelrecht familiär zugehe und die Hierarchien flach seien. Das trifft gewiss in einigen Fällen zu, man kann dies aber mit Sicherheit nicht verallgemeinern. Durch die geringere Größe des Teams kennt man sich aber eventuell untereinander besser und kann auf diese Weise manche Probleme auf dem kurzen Dienstweg aus der Welt schaffen. Im Vergleich dazu ist die Arbeit bei einem Haus der Maximalversorgung meist anonymer, was jedoch auch vorteilhaft sein kann, etwa wenn ihr Berufliches und Privates strikt trennen möchtet. Fest steht, dass es in einem kleinen Krankenhaus weniger Assistenzärzte gibt. Zum einen kann das ein Vorteil sein, wenn ihr euch etwa für die Chirurgie entschieden habt und durch die fehlende Konkurrenz praktisch bei jeder Operation assistieren dürft. Zum anderen kann das aber auch ein Nachteil sein, da ihr meist relativ schnell Dienste allein antreten müsst und niemand da ist, der euch entlasten könnte. Bei großen Kliniken ist es hingegen meist so, dass es nicht nur einen Dienstarzt in der Nacht gibt, sondern auch noch einen zweiten und dritten Dienst. Außerdem können die Dienste auf mehrere Assistenzärzte aufgeteilt werden. Während der Dienste in einer kleineren Klinik begegnen einem meist eher die „Standarderkrankungen“ – im großen Haus gibt es eventuell auch Patienten mit selteneren oder komplizierteren Krankheitsbildern, welche am Anfang durchaus eine Herausforderung darstellen können.

Dazu sei jedoch gesagt, dass ein Patient, welcher nachts in die Notaufnahme kommt, gleichzeitig natürlich nicht wissen kann, was genau er hat, sodass einem überall alles begegnen kann und man sich dessen stets bewusst sein sollte.

Ein anderer wichtiger Punkt liegt in den praktischen Skills, welche ihr euch in der Assistenzzeit aneignen solltet. Zum einen sind große Häuser in der Regel technisch besser ausgestattet und es gibt meist mehr diagnostische Möglichkeiten – zum anderen lernt man in kleineren Kliniken zunächst erst einmal die Basics, bevor es an die Kolibris geht. Außerdem fallen im großen Haus zwar meist mehr interventionelle Tätigkeiten an – gleichzeitig gibt es aber auch mehr „Hände“ welche diese ausführen wollen – sprich: Man könnte zwar mehr machen, aber es herrscht eventuell auch ein Konkurrenzkampf im Team, wer was machen kann. Im kleinen Haus gibt es zwar vielleicht weniger Interventionen – aber eben auch weniger Kollegen, sodass ihr sie durchführen könnt aber eben auch müsst.

Doch wie schaut es mit der Betreuung während der Weiterbildung aus? Wo hat man mehr Anleitung durch den Chef- und die Oberärzte? Diese Frage lässt sich wohl am schwersten von allen pauschalisieren. Natürlich gibt es in der großen Klinik ein meist wesentlich größeres Team aus erfahrenen Assistenten und mehr Oberärzte, gleichzeitig ist aber zum Beispiel der Chef meist schwerer greifbar, weil er sich eben nicht nur um eine Handvoll Angestellte kümmern muss, sondern um deutlich mehr. Im kleineren Haus hingegen kann es sein, dass ihr Teil eines sehr kleinen Teams seid und es eventuell nur ein oder zwei Oberärzte gibt, gleichzeitig ist die Hierarchien wie schon erwähnt meist flacher und es herrscht ein engerer Kontakt im Team.

Perspektiven

Ein weiterer wichtiger Punkt, sind die Perspektiven, welche eine Klinik einem bieten kann. Ist Karriere gleichzusetzen mit einer Ausbildung an einer Uniklinik? Um diese Frage zu beantworten solltet ihr euch klar machen, was genau Karriere für euch bedeutet. Wollt ihr eine Koryphäe in eurem Gebiet werden und neben der Klinik auch forschend tätig sein? Dann ist eine große Klinik ganz klar der bessere Weg für euch. Während Forschung gerade in Unikliniken fest zum Alltag gehört, spielt sie in kleinen Kliniken meist eher eine untergeordnete Rolle. Bedeutet Karriere aber für euch, Oberarzt zu sein oder eine führende Position zu haben, kann auch eine kleine Klinik das richtige sein. Wie schon erwähnt ist hier der Konkurenzkampf meist geringer ausgeprägt und Kliniken sind meist froh, Ärzte, die sie selbst ausgebildet haben, auch zu halten.

Allerdings sind die Oberarzt- oder Chefarztgehälter in großen Kliniken meist höher und ihr trefft auf ein breiteres Fallspektrum sowie viele verschiedene Patienten. Dafür erwarten euch aber auch ein größerer innerklinischer Druck, längere Arbeitszeiten und oft nur befristete Arbeitsverträge. Außerdem läuft man Gefahr, in der Masse der Assistenzärzte unterzugehen. Durch die hohe Spezialisierung an Unikliniken kann zudem der ganzheitliche Blick auf den Patienten zu kurz kommen, ganz davon abgesehen, dass man aus demselben Grund eventuell nur wenige Standarderkrankungen zu Gesicht bekommt. Letzteres kann ein Problem bei der Erfüllung der Weiterbildungsziele werden.

Es sei noch gesagt, dass es nicht mehr stimmt, dass man sich die Karrierechancen an einer größeren Klinik verbaut, wenn man zunächst an ein kleines Krankenhaus geht. Ihr könnt durchaus auch von kleinen zu großen Häusern wechseln und so die Vorteile von beidem gerade während der Assistenzzeit nutzen, wenn ihr zum Beispiel an einer kleinen Klinik nicht alle erforderlichen Bereiche für den Facharzt kennenlernen konntet.

Fazit

Ihr seht – beides hat seine Vor- aber auch Nachteile und eure individuellen Vorstellung sollten eine tragende Rolle bei der Entscheidung zwischen kleinem und großen Haus spielen.

Für welches Krankenhaus ihr euch letztendlich entscheidet, hängt aber nicht nur von euren eigenen Erwartungen, sondern zum Teil auch von eurer präferierten Fachrichtung ab. So wird angehenden Radiologen in der Regel geraten, direkt in einem großen Haus anzufangen, da dort die technischen Voraussetzungen besser sind, man schneller die erforderlichen Diagnostiken kennen lernt, Fälle aus vielen verschiedenen medizinischen Bereichen bekommt und insgesamt viel mehr Untersuchungen macht, als dies in kleinen Häusern möglich wäre. Andersherum gilt jedoch beispielsweise für die Chirurgie, dass ihr in kleinen Häusern eher das für Berufseinsteiger interessante OP-Spektrum vorfindet und ihr viele Routineeingriffe selbst durchführen könnt. Schließlich ist es zunächst sinnvoller, eine Blinddarm-OP durchführen zu können als z.B. bei einer Transplantation zu assistieren. Pauschale Empfehlungen lassen sich also nicht geben, wir hoffen aber, dass euch diese kleine Übersicht über die Vor- und Nachteile von kleinen und großen Kliniken bei eurer Entscheidung behilflich ist. Dabei solltet ihr übrigens auch viel Wert auf die leitenden Personen und die Art der Kommunikation an der Klinik legen. Könnt ihr beim jeweiligen Chefarzt etwas lernen? Kommt ihr mit seiner Art zurecht? Passt ihr selbst ins Team und fühlt euch wohl? Gerade aus diesen Fragen ist das Konzept hinter klinik_anamnese entstanden, mit dem ihr die für euch passende Klinik finden und bei einem Hausbesuch die Klinik und ihre Ärzte strukturiert kennenlernen könnt.

Meldet euch kostenlos an und wir kümmern uns um den Rest.

Bis demnächst!

Euer Marcel

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