Als angehende Ärzte habt ihr euch sicherlich auch schon einmal Gedanken um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gemacht. Auch wenn diese Vereinbarkeit mittlerweile für die ganze Arbeitswelt schwierig ist, liest man häufig, dass es bei Medizinerinnen und Medizinern besonders problematisch sei. Meist laufe es auf eine Entscheidung zwischen Karriere oder Familie hinaus. In der Tat gibt es einige grundlegende Probleme, die in der Natur des Arztberufs liegen und sich nicht so einfach lösen lassen. Die größte Herausforderung für eine familiengerechte Arbeitsorganisation in Kliniken ist sicherlich, dass die Patienten rund um die Uhr versorgt werden müssen. Hinzu kommt, dass z.B. Notfallpatienten nun mal keine Rücksicht auf die Dienstzeiten nehmen können. Aber ist das denn wirklich ein so großes Problem, welches sich nicht lösen lässt? Und wie ist es eigentlich um das Thema „Familie und Beruf in der Medizin“ in Deutschland bestellt?

Prioritätenwandel

Vor einer unlösbaren Aufgabe stehen die Kliniken sicher nicht, es erfordert allerdings ein erhöhtes Maß an Organisationstalent und ein generelles Umdenken im Hinblick auf die Bedürfnisse junger Ärzte. Denn gerade diejenigen, die nach 1980 geboren wurden und im Allgemeinen auch als „Generation Y“ bezeichnet werden, sind nicht mehr bereit, ihr Privatleben komplett der Karriere zu opfern. Das betrifft Männer und Frauen gleichermaßen und zeigt sich unter anderem daran, dass immer mehr Ärzte Elternzeit nehmen. Bei einer bundesweiten Befragung von Studierenden der Medizin im Jahre 2010 zu ihren Berufserwartungen „[war es] insgesamt 95,5 % der Antwortenden […] wichtig, Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können […]. Zwischen den Geschlechtern gab es kaum einen Unterschied, 97,0 % der Frauen und 93,0 % der Männer legten Wert auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Arbeit und Familienleben.“ (Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 328) Eine alleinige Rückführung des Problems auf die hohe Anzahl an Medizinstudentinnen, wie es mancherorts geschieht, ist daher sicherlich verfehlt. Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse einer weiteren Umfrage des Hartmannbundes brachten zudem zum Vorschein, dass junge Mediziner auch im Jahre 2014 die „Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ als wünschenswerteste Änderung für die Zukunft ansehen. In jedem Fall müsste es also einen Paradigmenwechsel hin zu flexiblerer Arbeitszeitorganisation und Kinderbetreuung geben. Schließlich dürfte auch ein Zusammenhang zwischen dem Ärztemangel in Kliniken und familienfeindlichen Arbeitsbedingungen bestehen. Krankenhäuser, die weniger auf die Bedürfnisse junger Ärztinnen und Ärzte eingehen, dürften es daher schwerer haben, ihren Fachkräftemangel zu kompensieren. Das Gleiche dürfte auch für den Hausärztemangel in ländlicheren Gegenden gelten. Zu diesem Schluss kam auch  kürzlich die Rot-Grüne Landesregierung in NRW und fordert nun von den Kommunen „[d]urch mehr Teilzeitangebote, wohnortnahe Kitas und Schulen […] verstärkt ein familiengerechtes Umfeld zur Anwerbung junger Hausärzte zu schaffen.“ („Familienfreundliches Umfeld soll junge Ärzte locken“ – WAZ.de)

Mutter Kind Krankenhaus

Lösungsansätze

Es muss also noch einiges getan werden. Bisher gibt es einige Modellprojekte und regionale Lösungsansätze, um die Verbindung von Familie und Beruf zu verbessern. Diese lassen sich grob in die Kategorien „flexible Arbeitszeitmodelle“ und „Kinderbetreuung in der Klinik“ einteilen.

Flexible Arbeitszeitmodelle

Bei „flexiblen Arbeitszeiten“ denkt ihr sicher auch erst einmal an die klassische Teilzeitarbeit. Neben der Reduzierung der täglichen Arbeitsstunden gibt es hier noch andere Varianten. So könntet ihr nur an bestimmten Tagen oder im wochenweisen Wechsel arbeiten. Des Weiteren gibt es die versetzte Arbeitszeit, die in Arbeitsblöcke mit festen Anfangs- und Endzeiten eingeteilt ist oder die „unsichtbare Teilzeit“ (Sabbatical), bei der ihr zunächst Vollzeit mit Teilzeitbezahlung arbeitet, dann aber anschließend über entsprechend bezahlte Freizeit verfügt. Im Idealfall lassen sich die Arbeitszeiten individuell abstimmen, wie es etwa in der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen oder in der HELIOS St. Elisabeth Klinik Hünfeld gehandhabt wird.
Teilzeitstellen haben aber auch Nachteile. So müsst ihr mit einem geringeren Gehalt auskommen und die Weiterbildungszeit verlängert sich erheblich. Außerdem werden Teilzeitarbeitende trotzdem oft zu Bereitschaftsdiensten herangezogen, wodurch der Vorteil dieses Modells unterlaufen wird. Außerdem dürfen wir euch nicht vorenthalten, dass es neben den positiven Beispielen immer noch verhältnismäßig wenige Teilzeitstellen für Mediziner gibt.

Kinderbetreuung in der Klinik

Teilzeitangebote alleine reichen jedoch meist nicht aus. Die Betreuung der Kinder während der Dienstzeit ist ein weiterer wichtiger Faktor. Normale Kindertagesstätten haben in der Regel Öffnungszeiten, die sich nicht mit dem Schichtdienst in Einklang bringen lassen. Daher ist es sinnvoll, wenn die Kliniken über eigene Kindertagesstätten verfügen. Das 2010 erschienen Handbuch „Familienfreundlicher Arbeitsplatz für Ärztinnen und Ärzte – Lebensqualität in der Berufsausübung“ der Bundesärztekammer gibt einige nennenswerte Beispiele, wie eine solche Kinderbetreuung am Arbeitsplatz aussehen kann. Besonders hervorgehoben wird die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau, die bereits seit 1977 über eine betriebseigene Kindertagesstätte verfügt. Mit Öffnungszeiten von 5:30 bis 21:30 Uhr an allen Wochentagen (einschließlich Sonn- und Feiertagen) hat man sich an den Schichtbetrieb der Klinik angepasst. Zudem ist die Kita an 365 Tagen im Jahr geöffnet und so organisiert, dass Kinder im Alter von 8 Wochen bis 10 Jahren aufgenommen werden können. Auch viele andere Krankenhäuser besitzen solche angeschlossenen Möglichkeiten der Kinderbetreuung, z.B. das Klinikum Chemnitz und das Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg.

Weitere Ideen

Neben Kindertagesstätten gibt es noch weitere Ideen, die von verschiedenen Krankenhäusern umgesetzt wurden. Die bereits erwähnte St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen hat ein Familienzimmer eingerichtet, in dem Familien ihre Pause miteinander verbringen können. Aber nicht nur Kitaplätze, sondern auch Beratungsangebote werden benötigt. Zu diesem Zweck hat das Universitätsklinikum Regensburg ein Familienbüro geschaffen, in dem sich Familien Rat und Informationen bezüglich der Kinderbetreuung geben lassen können. Hinzu kommen Möglichkeiten der finanziellen Entlastung von Familien. Neben Kitaplätzen bietet etwa das Unfallkrankenhaus Berlin eine Kinderzulage, die in den Tarifvertrag der Ärzte aufgenommen wurde.

Wie ihr seht gibt es bereits viele gute Ansätze, eine einheitliche und übergreifende Gesamtlösung lässt in Deutschland jedoch noch auf sich warten und ist vielleicht auch gar nicht zu erreichen. Vor allem die finanziellen Belastungen der Krankenhäuser, die auch durch die neue Krankenhausreform nicht weniger wird, dürfte ein weiteres Problem darstellen. Zwar zahlt sich eine gute Familienpolitik für die Krankenhäuser auf lange Sicht aus, aber gerade kleine Kliniken haben nicht immer die Mittel für derartige Investitionen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Familienfreundlichkeit der Krankenhäuser in Zukunft entwickeln wird.

Ausblick

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt also zu einem gewissen Teil bei euch selbst, schließlich geht jeder individuell mit der Familienplanung und –organisation um und die Voraussetzungen variieren ebenfalls. Zu der Eigenverantwortlichkeit zählt aber natürlich auch die Wahl eines familienfreundlichen Krankenhauses; ein solches zu finden gestaltet sich jedoch oft schwierig. Aus diesem Grund liegt es uns von klinik_anamnese besonders am Herzen, für euch die Klinik zu finden, die eure Bedürfnisse am besten erfüllt. Alles was ihr dafür tun müsst ist, euch kostenlos über unsere Homepage anzumelden – um den Rest kümmern wir uns.

Für weitere Informationen zum Thema Beruf und Familie empfehlen wir euch die Seite http://www.familienfreundliches-krankenhaus.de/die-kampagne/home.php des Marburger Bunds sowie das bereits erwähnte Handbuch „Familienfreundlicher Arbeitsplatz für Ärztinnen und Ärzte – Lebensqualität in der Berufsausübung“ der Bundesärztekammer.

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