Im heutigen klinik_anamnese Wochenrückblick haben wir nur 2 größere Themen für euch: Eine Schadenersatzklage gegen TÜV Rheinland als Folge des PIP-Skandals wird dem EuGH übergeben und eine vielversprechende Antiköpertherapie gegen HIV wurde entwickelt. Außerdem gibt es wie gewohnt ein paar vermischte Nachrichten, z.B. über den Weltrekord im Schwimmen in der Altersklasse 100 – 104. Viel Spaß damit!

Prominente Themen der letzten Woche:

PIP-Skandal: Schadensersatzklage gegen TÜV Rheinland

Der Bundesgerichtshof hat die Entscheidung über eine Schadensersatzklage einer Frau gegen den TÜV Rheinland vertagt und den Fall zunächst an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) übergeben. Hintergrund ist der Skandal um fehlerhafte Brustimplantate der französischen Firma  „Poly Implant Prothèse“ (PIP). Diese hatte jahrelang Brustimplantate mit einfachem Industriesilikon als medizinisch sichere Implantate verkauft. Der TÜV Rheinland war für die Prüfung und die Ausstellung des CE-Siegels für die betreffenden Brustimplantate verantwortlich. Eine betroffene Frau, die sich die fehlerhaften Implantate wieder entfernen lassen musste, sah eine Teilschuld beim TÜV Rheinland – dieser hätte nicht ausreichend geprüft. Aus diesem Grund klagte sie auf Schadenersatz in Höhe von 40.000€, scheiterte aber bisher in mehreren Instanzen vor deutschen Gerichten. Der EuGH soll nun prüfen, wie umfangreich die Prüfpflichten bei der Kontrolle von Medizinprodukten sind und ob der TÜV Rheinland diesen Pflichten im vollen Umfang nachgekommen ist. Derweil soll das kommende Versorgungsstärkungsgesetz gründlichere Kontrollen für Implantate mit sich bringen, um solche Fälle in Zukunft zu verhindern. Experten zweifeln jedoch an der Wirksamkeit der Regelungen. Für mehr Informationen könnt ihr den Links folgen:

taz.de – Mangelhafte PIP-Brustimplantate: Karlsruhe verweist nach Europa

kma online – EuGH soll über Schadenersatz entscheiden

Ärzte Zeitung – Nach PIP-Skandal: Medizinprodukte sollen auf den Prüfstand

Antikörpertherapie gegen HIV

Es gibt einen kleinen Fortschritt bei der Bekämpfung von HIV. Forscher aus Deutschland und den USA haben es geschafft, die Viruslast bei Trägern des Humanen Immundefizienz-Virus mit der einmaligen Injektion eines Breitbandantiköpers zu verringern. Zwar hielt der Effekt nur einige Wochen an, doch trotzdem handelt es sich um einen wichtigen Schritt. Der Antikörper wirkte gegen 195 von 237 Virusstämmen und stammt von HIV-Patienten, bei denen er sich erst gegen Ende der Erkrankung entwickelt. Die Hoffnung ist, dass sich mit diesen Erkenntnissen auf lange Sicht gesehen ein Impfstoff entwickeln lässt oder aber ein Weg gefunden wird, mit einer Kombination aus Antikörper und anderen Wirkstoffen die HI-Viren komplett aus dem Körper zu vertreiben. Alle Hintergründe zur Studie und das genaue Vorgehen der Forscher erfahrt ihr hier:

Ärzteblatt – HIV: Antikörper senkt Viruslast für einen Monat

Süddeutsche – Verfolgungsjagd im Blut

Die Welt – Antikörper-Therapie erstmals bei Aids erfolgreich

Vermischtes

Social Media für Ärzte

„Sermo“, das führende soziale Netzwerk für Ärzte in den USA, will expandieren. Ärzte sollen sich bald weltweit vernetzen und gemeinsam Fälle besprechen können. Gerade bei schwierigen Patienten kann so auf Wissen über die Ländergrenzen hinweg zurückgegriffen werden. Dieses Vorgehen wird als „medizinisches Crowdsourcing“ bezeichnet und soll zu einer besseren Patientenversorgung verhelfen. Genaueres könnt ihr hier nachlesen:

Ärzte Zeitung – Die Ärzte dieser Welt in einem Netzwerk

100-Jährige schwimmt zum Weltrekord

Letzte Woche ist der älteste Mensch der Welt gestorben, diese Woche gibt es wieder eine Nachricht aus dem Club der 100-Jährigen. Eine 100 Jahre alte Frau aus Japan ist in einer Stunde und 15 Minuten eine Strecke von 1500 Metern geschwommen und hat damit einen Weltrekord aufgestellt. In ihrer Altersklasse schwamm sie allerdings auch ohne weitere Konkurrenz. Interessantes Detail am Rande: Sie hat erst mit 80 Jahren richtig schwimmen gelernt. Wenn ihr mehr über die neue Rekordhalterin erfahren wollt, folgt einfach dem Link:

Ärzte Zeitung – 100-Jährige erschwimmt Weltrekord

Bluttransfusion kann zu kurzzeitiger Allergie führen

Es ist ein sehr seltenes Phänomen, aber es kommt vor: Patienten, die eine Bluttransfusion erhalten haben, sind plötzlich gegen bestimmte Lebensmittel allergisch, bei denen sie vor der Transfusion keine allergischen Reaktionen gezeigt haben. Der Grund dafür ist, dass die Blutspende von einer Allergikerin bzw. einem Allergiker stammt. Zum Glück ist dieser Effekt nicht von Dauer und die Patienten weisen nach wenigen Monaten keine Allergien mehr auf. Auf Spenden von Allergikern kann auch nicht verzichtet werden, da es sonst einen zu großen Einbruch bei den verfügbaren Blutkonserven geben würde. Mehr Informationen dazu gibt es auf Spiegel Online:

Spiegel Online – Komplikation nach Bluttransfusion: Allergie aus der Konserve

Wir wünschen euch ein schönes Wochenende und genießt die Sonne!

euer Marcel

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