Auch wenn die tragischen Ereignisse rund um den Absturz des Germanwings Flugs 4U9525 über Frankreich alles andere überschatteten, so möchten wir euch trotzdem die wichtigsten gesundheitspolitischen Themen der vergangenen Woche vorstellen. Diesmal geht es um einen Vorschlag zur Neuregelung von Organtransplantationen, den Kampf gegen resistente Krankenhauskeime und eine neue Studie zum Ärztemangel. Wie gewohnt  findet ihr weiter unten drei weitere interessante Meldungen.

Prominente Themen der letzten Woche:

Diskussionspapier zur Organisation der Organtransplantationen in Deutschland

Die Nationalen Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“ hat ein Diskussionspapier vorgelegt, das für eine grundsätzliche Neuorganisation der Transplantationsmedizin in Deutschland plädiert. So wird etwa die Zahl von 47 transplantierenden Kliniken als „zu hoch“ eingestuft. Des Weiteren müsse eine neutrale Institution geschaffen werden, die auf Bundesebene für die Organisation und Qualitätskontrolle von Transplantationen sorge. Bisher wird diese Aufgabe von Mitgliedern der Bundesärztekammer ehrenamtlich übernommen. Aufgrund der Komplexität der Aufgabe hält Leopoldina diese Praxis für unangebracht. Vertreter der Bundesärztekammer, die ebenfalls im Gremium von Leopoldina saßen, distanzierten sich von den Aussagen und wehrten sich gegen den Eindruck, dass sie mit den vorgebrachten Punkten übereinstimmen würden. Entgegen anders lautender Absprachen sei das Papier ohne ihre Zustimmung veröffentlich worden. Weitere Veränderungsvorschläge von Leopoldina und entsprechende Stellungnahmen findet ihr hier:

Ärzte Zeitung – Leopoldina fordert grundlegende Reform

taz.de – Kommentar Transplantationsgesetz: Mein Hirntod ist mir egal

Die Welt – Brauchen wir ein zentrales Organvergabe-Institut?

10-Punkte-Plan gegen Krankenhauskeime

In dieser Woche hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe einen 10-Punkte-Plan vorgestellt, mit dem die Verbreitung von resistenten Keimen in deutschen Kliniken bekämpft werden soll. So sieht der Plan unter anderem vor, die Meldepflicht zu verschärfen, das Pflegepersonal für den richtigen Einsatz von Antibiotika zu schulen und den Patienten einen besseren Einblick in den Hygienezustand des Krankenhauses zu geben. Die Bundesärztekammer begrüßte die Vorschläge, stellte aber auch die Frage nach der Finanzierung der Maßnahmen. Daneben gab es aber auch inhaltliche Kritik. Der Bonner Hygieneexperte Prof. Dr. Martin Exner fordert z.B. eine bessere Hygieneausbildung der Ärzte und auch der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg gehen die Vorschläge nicht weit genug. ZEIT ONLINE veröffentlichte ebenfalls einen eher kritischen Kommentar von Karsten Polke-Majewski. Alle Details und Hintergrundinformationen liefern euch die folgenden Artikel:

ZEIT ONLINE – Gröhe will Kliniken zum Kampf gegen resistente Keime verpflichten

ZEIT ONLINE – Zögert nicht, es geht um Menschenleben (Kommentar)

Ärzteblatt – KV Hamburg ist der Zehn-Punkte-Plan gegen resistente Keime zu vage

Bibliomed – Hygieneexperte hält Gröhe-Plan für unzureichend

Auf dem Land fehlen weiterhin Ärzte

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung hat erneut den Ärztemangel auf dem Land bestätigt. Die Hälfte aller Psychotherapeuten haben ihre Praxen in den Städten, obwohl dort nur 1/4 der Deutschen Bevölkerung lebt. Ähnlich schlecht stehe es um Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Orthopäden, Nervenärzte und Urologen. Schuld sei die verfehlte Bedarfsplanung der Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen, die sich auch nach ihrer Neuregelung im Jahr 2012 als unzureichend herausgestellt hat. Der Grund dafür liege auch in der fehlenden Berücksichtigung von bedarfsrelevanten Faktoren wie Alter oder Einkommen der Bevölkerung. Die Planung müsse demnach völlig neu angegangen werden. Alle weiteren Ergebnisse und Schlussfolgerungen erfahrt ihr hier:

kma online – Fachärzte zieht es weiter in die Städte

Die Süddeutsche – Praxis ohne Plan und Prognose

Ärzte Zeitung – Bedarfsplanung abgewatscht

Ärzteblatt – Interaktives Tool ermöglicht Überblick über Ärztedichte

Einzelartikel

Die Gefahren des „Genome Editing“

Die Möglichkeiten zur Veränderung des Erbgutes jedes Lebewesens, also auch von Embryonen, ist durch das „Genome Editing“ präziser und einfacher geworden als je zuvor. Nun warnen eine Reihe von Bioethikern und Genetikern vor den Folgen eines tatsächlichen Einsatzes zur „künstlichen Evolution“. Wie diese Folgen aussehen könnten und welche Bedenken es gibt, erfahrt ihr auf:

Die Süddeutsche – Sauberer Schnitt in die menschliche Evolution

Grippefälle gehen zurück

Es gibt erfreuliches über die Grippe zu berichten. Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, ist der Höhepunkt der diesjährigen Grippewelle überstanden, allerdings fiel die Zahl der Erkrankten deutlich höher aus, als es sonst der Fall war. Die Details findet ihr auf:

Spiegel Online – Influenza: Grippewelle in Deutschland ebbt ab

Europas erste „Non-Beating“-Herztrans­plantation

In England wurde die erste Herztransplantation mit einem Spenderherz eines Herzkreislauftoten in Europa durchgeführt. Dazu wurde das Herz nach der Entnahme „reanimiert“ und einem speziellen Transportmodul funktionsfähig gehalten. Diese Praxis, die in Deutschland nicht erlaubt ist, soll die Anzahl der verfügbaren Herzen für Transplantationen um 25% steigern. Genauere Informationen gibt es auf:

Ärzteblatt – England: Erfolgreiche „Non-Beating“-Herztrans­plantation

Das war es für diese Woche, wir wünschen euch ein schönes und erholsames Wochenende und sind ab Montag wieder für euch da.

euer Marcel

 

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